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English version below

 

Stephanie Kloss
Mach kaputt, was dich kaputt macht 

Die erste Assoziation, die sich mir blitzartig bei der Betrachtung von Kochs Arbeit Ohne Titel (Monolith) aufdrängte, war das geniale Video von Run DMC ft. Aerosmith: Walk this way. Eine alternde Rockröhre haut die Wand zu den coolen Hip-Hoppern von Run DMC ein, weil sie deren Musik partout nicht hören will und deswegen versucht, sie zu verjagen.

Im Musikvideo wird eine Wand demoliert. Das Neue soll sich nicht etablieren.
Auch Koch demoliert mit offensiver Brutalität seinen schwarzen minimalistischen Quader. Es wird aufgerissen und zerstört. Die Handlung ist vergleichbar, die Haltung hingegen vollkommen anders, denn Kochs zerstörende Handlung signalisiert, dass hier Platz für Neues geschaffen werden muss.

In der traditionellen minimalistischen Skulptur, aber auch in der Architektur geht es in gewissem Sinne immer um die Produktion von reinen Formen. In der Architektur werden Gebäude im Rückgriff auf einfache geometrische Körper konstruiert, um ihnen dadurch Charakter und Statik zu verleihen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brach die russische Avantgarde mit den klassischen Regeln der Komposition. Sie benutzte neue Baustoffe, um schiefe geometrische Kompositionen zu schaffen. Die Dekonstruktion der klassischen Architekturformen löst so die alte Ordnung auf, Instabilität wird sichtbar gemacht, Neues kann entstehen.

Bei Koch geht es aber nicht nur um die Dekonstruktion der reinen Form, sondern auch um deren Destruktion. Bei Ohne Titel (Monolith) wird durch die brutale Öffnung der geschlossenen Form die Konstruktion sichtbar gemacht und damit entlarvt. Der Dialog zwischen dem Untertitel Monolith (griechisch monólithos, „der Einstein“ oder „einheitlicher Stein“, was soviel bedeutet wie „Stein aus einem Guss“) und der am Objekt ausgeführten Handlung erzeugt dabei einen offensichtlichen Widerspruch.

Koch handelt in seiner Arbeit ähnlich wie Gordon Matta-Clark bei seinen Cuttings, für die er mittels Motorsägen und anderem schweren Gerät Schnitte durch Fassaden, Böden und Decken von kompletten Gebäuden führte. Ganze Gebäudeteile entfernte er so, um den Blick in das Innere einer bisher bewohnten und genutzten Architektur freizulegen. Diese Art von künstlerischer Intervention ermöglicht eine völlig neue Sichtweise. Sie existiert meist nur für kurze Zeit.

Bei Matta-Clark waren die Gebäude bereits zum Abriss freigegeben, Koch hingegen baut selbst, um zerstören zu können. Durch die Dialektik von eigenhändigem Aufbau und unmittelbar darauf folgender Zerstörung der reinen Form, sowie durch die damit verbundene Sichtbarmachung der Eingeweide, entsteht ein kluger Sog von Bezüglichkeiten. Kaputt machen, aufreißen, sichtbar machen. Als alter Punk will man jetzt am liebsten gegen die nächste Mülltonne treten.

 

 

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Stephanie Kloss
Destroy What Destroys You

The first association that came to me like a flash in looking at Koch’s work Untitled (Monolith) was the brilliant video by Run DMC feat. Aerosmith: Walk this way. An ageing rock singer smashes down the wall between him and the cool hip-hoppers of Run DMC because he can’t stand the sound of their music and just wants them to get the hell out of there.

In the music video a wall is demolished. There’s no place for the new. Koch also demolishes his black, minimalistic rectangular prism with an aggressive brutality. It is torn apart and destroyed. The actions are comparable, though the attitude is completely different, for Koch’s destructive action signals that room must be made for the new.

In traditional minimal sculpture, and in architecture as well, the production of pure form is always, in a certain sense, paramount. In architecture, buildings are constructed with recourse to simple geometric entities, affording them character and static equilibrium. In the early twentieth century the Russian avant-garde broke away from the classical rules of composition, using new building materials to create oblique geometrical compositions. Hence, the deconstruction of classical architectural forms dissolved the old order, instability was rendered visible, and the way was paved for the emergence of the new.

Koch’s work is not only about the deconstruction of pure form, however, but also its destruction. In Untitled (Monolith) the brutal opening of the closed form renders the construction visible, leaving it bare and exposed. Thus the dialogue between the subtitle Monolith (Gk. Monólithos, “single stone” or “unitary stone”, in other words “stone as an integrated whole”) and the action carried out upon the object engenders a palpable contradiction.

In his practice Koch acts in a manner similar to Gordon Matta-Clark in his Cuttings which saw the latter cut into the façades, floors and ceilings of entire buildings using a chainsaw and other hardcore tools. He removed whole sections of buildings in order to expose the interior of an architecture that had hitherto been inhabited and used. This kind of artistic intervention allows for a radically new point of view. It generally only exists for a short time.

In Matta-Clark’s works, the buildings had already been condemned, whereas Koch builds structures to destroy. The dialectics of building something with your own hands and subsequently destroying pure form, exposing the guts, as it were, gives rise to a clever undertow of interreferentiality. Destroying, tearing apart, making visible – as an old punk, it makes you feel like kicking the nearest garbage can.

Translation: Catherine Nichols

 

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